Weniger Arbeitsstress durch Nudging bei Gesunder Führung

Weniger Arbeitsstress durch Nudging bei Gesunder Führung
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Stressbelastung bei der Arbeit

Flexibilität, schnelles Tempo, andauernd hoher Leistungsdruck und zunehmende Unsicherheiten bei geringerer Planbarkeit – Arbeitsalltag zur Zeiten der digitalen Transformation, Globalisierung und Individualisierung. Arbeiter*innen stehen immer häufiger für einen längeren Zeitraum unter großem Druck. Damit ist die Gefahr, krank zu werden groß. Das ist nichts Neues, auch nicht für Unternehmen. Denn die Einführung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) ist längst zum Trend geworden, um gesundheitsschädliche Risiken aufgrund von Arbeitsstress auszugleichen.

Doch ein Infoabend zur Burnout-Prävention, der wöchentliche Yoga-Kurs oder das firmeninterne Fitnessstudio allein reichen nicht aus. Um mit den Herausforderungen der neuen Arbeitswelt gesundheitsfördernd umgehen zu können und v.a. arbeitsstressbedingte Krankheiten vorzubeugen, bedarf es auch neuer Arbeitsmodelle mit anderen Prozessen und Strukturen, neue Arten der Zusammenarbeit, Kommunikation und „Gesunde Führung“.

Was ist „Gesundes Führen“?

Recherchiert man „Gesunde Führung“, so findet man eine bemerkenswerte Vielzahl an Weiterbildungsmöglichkeiten, Kursen oder Büchern. Allerdings lässt sich eine übergreifende Definition für diese umfassende Begrifflichkeit nicht eindeutig identifizieren. Handelt es sich darum, Gesundheitsfaktoren wie Ernährung oder Bewegung zu fokussieren oder geht es um die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz? Oder sogar beides? Klar ist, Gesundes Führen ist die zielgerichtete Beeinflussung von Mitarbeitenden, sich sowohl physisch als auch psychisch gesund zu erhalten. Dadurch sollen nicht nur körperliche und psychische Beschwerden gesenkt, sondern auch die Arbeitszufriedenheit gesteigert werden. 

Dies geschieht nicht nur durch die Verhaltensänderung der Führungskraft selbst, sondern auch durch die prozessuale, visuelle und soziale Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Zusammenarbeit. Wie kann man nun durch einfache Art und Weise sich selbst und andere dazu bewegen, den Arbeitsalltag so zu organisieren, dass Arbeitsstress zur seltenen Ausnahmesituation und nicht zur Routine wird? Nudging bietet sich als eine simple und effektive Maßnahme zur Steuerung von gesundheitsförderndem Arbeitsverhalten an.

Gesundes Führen durch Nudging

Nudging ist eine Methodik, um uns bei der Entscheidungsfindung zu unterstützen und gesünderes Verhalten zu bewirken. Das Gute dabei ist, dass die benötigten Änderungen dieser Methodik leicht zu implementieren und in den Alltag zu integrieren sind. Es bedarf also nicht extra einen zusätzlichen Kurs oder ein Angebot. Allgemein lassen sich Nudges in vielen Bereichen einsetzen: sei es zur Förderung von Mitarbeitermotivation oder Inspiration oder zur Einführung einer von Wertschätzung geprägten Arbeitskultur und -atmosphäre, die dem Stress entgegenwirken. Das MINDSPACE Modell bietet eine Hilfestellung zur Erarbeitung und Verdeutlichung, wie solche Nudges konkret aussehen können (alternativ bietet sich auch das EAST-Modell an):

Führungskräfte, die vor der Herausforderung stehen, gesund zu führen, haben unterschiedliche Ansatzmöglichkeiten. Einerseits können sie Nudges für ihr Team implementieren. Dabei gilt es auf jeden Fall, auf eine transparente Kommunikation und Erläuterung der umzusetzenden Maßnahmen zu achten. Andererseits können Führungskräfte auch Nudges für sich selbst einführen, um ihr eigenes Arbeitsverhalten gesundheitsfördernd zu beeinflussen. Da sie als Vorbildfunktion bzw. als Messenger agieren und Menschen generell in ihrem Verhalten stark dadurch beeinflusst werden, was andere tun, hat dies wiederum einen indirekten Effekt auf das Verhalten des gesamten Teams. Nudges können aber auch gemeinsam als Team definiert, bestimmt und umgesetzt werden.

Wie kann das konkret gemacht werden? Ein Fallbeispiel:

In einer anonymen Mitarbeit*innenbefragung wurde deutlich, dass eine Abteilung mit auffällig hoher Unzufriedenheit mit der Teamatmosphäre auch über mehr psychische Belastung und Arbeitsstress klagt. Um das zu ändern, reflektiert die Abteilung zum Jahresabschluss ihre Zusammenarbeit und setzt sich gemeinsam mit der Führungskraft Ziele für das nächste Jahr. Dabei soll mehr aufeinander geachtet werden, wertschätzendes und auch mal positives Feedback gegeben werden, Pausen eingehalten, Überstunden nur eine Ausnahme sein – eigentlich genau die gleichen Ziele wie in den letzten Jahren auch. Wie können nun Nudges dabei helfen, die selbst gesetzten Ziele der Verhaltensänderung zu erreichen? 

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Small Steps Spielkarte, Beispiel

Inspiriert von der small steps Kampagne wurden „Spielkarten“ mit unterschiedlichen Aufgaben entwickelt, z.B. mal unaufgefordert, zwischendurch einer/einem Kolleg*in ein Kompliment für gute Arbeit machen. Ist die Aufgabe erfüllt, unterschreibt man mit der eigenen Unterschrift auf der Spielkarte und gibt sie der Person, die das Kompliment empfangen hat. Nun ist diese Person an der Reihe, ein Kompliment an eine andere Person zu verschenken. Diese Methode hilft nicht nur als Erinnerungsstütze, Komplimente zu machen, sondern sie fördert auch die Verhaltensänderung durch die Etablierung einer sozialen Norm. Wenn ein Mitarbeitender eine Spielkarte bekommt und bemerkt, dass bereits sechs weitere Teammitglieder ein Kompliment gemacht haben, so ist die Hemmschwelle, selber ein Kompliment zu geben, viel geringer. Natürlich können auch andere Aufgaben auf die Spielkarten geschrieben werden.

Nudges als Allheilmittel?

Um also gesund führen zu können, muss man Nudges einführen? – Nein, muss man nicht! Aber Nudges sind eine einfach umsetzbare Maßnahme, die definitiv einen Mehrwert bei der Bekämpfung und Vorbeugung von Arbeitsstress bieten können. Die Ziele und Inhalte bleiben definitiv die gleichen. Nudges unterstützen lediglich mit sehr geringem Aufwand, diese Ziele mit höherer Wahrscheinlichkeit und in der Regel auch mit mehr Spaß zu erreichen.

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Autor: René Neumann

Schreiben Sie dem Autor für Feedback oder weitere Fragen zum Thema: rn.reneneumann@gmail.com

 

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