Nudging – ein paar einführende Worte

Nudging – ein paar einführende Worte
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Umfassende Informationen und Ratschläge für alle Interessierten

Da wir immer wieder von unseren Kunden, auf Konferenzen und auch unserem direkten persönlichem Umfeld darauf angesprochen werden, was Nudging eigentlich ist, möchten wir euch in diesem Beitrag die wichtigsten Fragen zum Thema Nudging beanworten. Bleiben Fragen unbeantwortet, wendet euch am besten an den Autor: mathias.krisam@laeuft.eu

Was bedeutet eigentlich Nudging?

Der Begriff „Nudge“ wurde 2008 von Sunstein und Thaler in ihrem gleichnamigen Buch geprägt. Zentral für das Verständnis des Konzepts ist dabei der Begriff der Entscheidungsarchitektur (choice architecture). Zur Entscheidungsarchitektur zählen all jene materiellen und immateriellen Aspekte einer Umgebung, welche im Moment und am Ort einer Entscheidung Einfluss auf diese nehmen. Nudges sind dabei jene Aspekte einer solchen Architektur, welche Entscheidungen regelmäßig und vorhersagbar beeinflussen, ohne bestimmte Handlungsoptionen durch Vorschriften und Gesetze vorzuschreiben oder zu verbieten oder entscheidungsrelevante ökonomische Anreize zu setzen.

Was sind Ziele des Nudging?

In seinem Kern ist Nudging erst einmal eine Art von Kommunikation, eine Methodik. Nudging an sich impliziert primär kein konkretes Ziel, sondern bedient sich gleicher Elemente, die im kommerziellen Bereich beispielsweise durch Werbung, Marketing und Produktplatzierung genutzt werden. Hier liegt aber auch der Unterschied: das Ziel des Nudgings ist nicht höherer Profit, sondern die Steigerung der Wohlfahrt in einer Gesellschaft, in unserem konkreten Fall: die Verbesserung der Gesundheit.

Ist der Nutzen von Nudging-Maßnahmen nachgewiesen?

Eine Eigenschaft, die man bei sehr vielen Nudging-Initiativen und –Beratungen sieht, ist das Bestreben, den Effekt von Interventionen ganz nüchtern zu evaluieren, um zu wissen, was wirklich wirkt und was nicht. Dies ist selbstredend auch unser Anspruch! Viele Interventionen haben sich als sehr erfolgreich herausgestellt, andere wenige wiederum nicht. Auch die Omnipräsenz von Werbung spricht für die Wirksamkeit von Nudges. Private Firmen würden die gleichen Methoden nicht auch anwenden, wenn sie keine Wirkung bei ihren Kunden zeigen würden.

Wie lässt sich Nudging in die weiteren Konzepte der Gesundheitsförderung einordnen?

Verhaltensänderungen können sowohl von verhaltens- als auch verhältnispräventiven Maßnahmen bewirkt werden. Bei der Verhaltensprävention sollen diese durch Veränderungen interner Faktoren wie Wissen, Motivation und Präferenzen der handelnden Personen erreicht werden, bei der Verhältnisprävention hingegen durch Änderungen der physischen und sozialen Umwelt, d. h. externer Faktoren. Da Nudges primär an der Entscheidungsarchitektur und damit an einem Teil der Umwelt von Individuen ansetzen, sind sie eher der Verhältnisprävention zuzuordnen. Nudges können aber eine verhaltenspräventive Dimension erhalten, wenn sie dazu führen, dass ein Verhalten ohne den auslösenden Nudge fortbesteht. Dies ist z. B. dann möglich, wenn ein durch Nudges angestoßenes Verhalten auf Dauer als feste Gewohnheit internalisiert und generalisiert wird.

Ersetzt Nudging andere Methoden der Gesundheitsförderung?

Ein ganz klares NEIN! Nudging bzw. die verstärkte Anwendung verhaltenswissenschaftlicher Erkenntnisse ist lediglich eine Methodik, kein Dogma. Gerade die Bemühungen um das Thema Tabakreduktion in Deutschland in den letzten Jahren ist ein tolles und erfolgreiches Beispiel, wie vielfältig ein solches Bestreben umgesetzt werden muss. Dazu gehört Bildung und Information, der Erlass von Gesetzen und Verboten, die Erhöhung von Steuern auf die jeweiligen Produkte, die Eindämmung des Konsums im öffentlichen Raum etc. Nudging kann lediglich eine sinnvolle und effektive Ergänzung sein, jedoch bewusste Gesundheitsbildung und Gesetze keinesfalls ersetzen.

Gibt es nicht (endlich) mal einen deutschen Begriff für Nudging?

Die genaue Übersetzung für „nudging“ wäre ja anstupsen, anstoßen, hinbewegen. Nun sind wir der Meinung, dass sich diese Begriffe (noch) nicht ganz so cool anhören wie der ursprüngliche englische Begriff. Und so müssen wir gestehen, dass wir bisher auch noch keinen adäquaten deutschen Begriff dafür gefunden haben. Wenn Ihnen einer einfällt, lassen Sie uns gerne davon wissen! Dies wäre nämlich besonders wichtig für die öffentliche Kommunikation, da Nudging einfach doch bei vielen – nicht nur in Deutschland, sondern auch international – eher negative Assoziationen weckt. Und wo wir schon beim Thema wären: für „Public Health“ bräuchten wir auch noch einen… 

Wo finde ich anschauliche Literatur zum Thema Nudging?

Mathias Krisam hatte bereits 2017 einen Einführungs- und Übersichtsartikel zum Thema „Nudging und Gesundheitsförderung“ in der Fachzeitschrift Gesundheitswesen veröffentlicht. DAS Referenzwerk ist natürlich das Buch von Thaler und Sunstein. Weiterhin gibt es eine sehr ausführliche Arbeit von Perry et al. die eine Vielzahl an Fallstudien von Nudging im Gesundheitsbereich zusammengestellt haben.

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Autor: Dr. Mathias Krisam

Arzt und Geschäftsführer
Schreib dem Autor für Feedback oder weitere Fragen zum Thema: mathias.krisam@laeuft.eu

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