Nudging im BGM von KMUs

Nudging im BGM von KMUs
Lesezeit: ca. 4 Minuten

5 Gründe, warum Nudging im BGM von KMUs eingesetzt werden MUSS

Vielleicht wundern Sie sich über die klare Aussage im Titel. Ja, Nudging MUSS nach unserer Auffassung in Kleinen und Mittelständischen Unternehmen (KMUs) eingesetzt werden. Wir haben ja bereits in anderen Beiträgen dargestellt, worin die generellen Vorteile beim Einsatz von Nudges im Betrieblichen Gesundheitsmanagement und auch insbesondere beim Arbeitsschutz liegen. Heute wollen wir Ihnen die zentralen Gründe vorstellen, warum Nudges quasi wie maßgeschneiderte Lösungen für KMUs daherkommen.

Besondere Herausforderungen von KMUs

Mehr als 99 % aller Unternehmen in Deutschland sind klein- und mittelständische Unternehmen (sogenannte KMUs) und mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sind dort beschäftigt (IfM Bonn). Während das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in den meisten großen Betrieben bereits prominent berücksichtigt wird, gelingt eine solche Durchdringung in kleinen Unternehmen noch nicht. Dies liegt noch gar nicht mal unbedingt daran, dass das Thema nicht präsent wäre, sondern KMUs sehen sich diesbezüglich besonderen Rahmenbedingungen gegenüber:

  1. Der finanzielle Aufwand erscheint als zu groß
  2. Auch der zeitliche Aufwand wird im Vergleich zum Tagesgeschäft als überproportional angesehen
  3. Gerade KMUs müssen durch ihre täglichen Herausforderungen häufig kurzfristiger planen, um den Betrieb am Laufen zu lassen – BGM erfordert jedoch Investition in Langfristigkeit
  4. Es fehlt ggf. an geeigneten methodischen Kenntnissen effektives und effizientes Gesundheitsmanagement im Betrieb einzuführen und zu betreiben

Generelle Vorteile von BGM in KMUs

Letztendlich gilt für KMUs in Bezug auf BGM das Gleiche wie für große Unternehmen: durch BGM lassen sich viele für das Unternehmen elementare Ziele ergreifen.

  • So können Fehlzeiten reduziert werden
  • Die Arbeitgeberattraktivität kann sich erhöhen
  • Die Produktivität steigt
  • Der Betrieb wird attraktiver für Talente und hat eine höhere Wahrscheinlichkeit, wichtige Mitarbeiter zu binden
  • Auch finanziell zahlt sich eine Investition langfristig aus (Return on Investment variiert je Industrie und liegt im Durschnitt bei 1:3, also jeder in BGM investierte Euro bringt 3 € Ertrag)
  • Die Stimmung im Betrieb bessert sich

Vorteile im Einsatz von Nudges im BGM von KMUs

Möchte man erfolgreiches BGM in KMUs betreiben muss man alle oben genannten Rahmenbedingungen berücksichtigen. So wird deutlich, dass Nudges tatsächlich passgenau die Herausforderungen und Chancen von KMUs berücksichtigt und bedienen kann.

1. Sehr geringer finanzieller Aufwand

Der besondere Vorteil im Einsatz von Nudges liegt darin, dass quasi kaum ein finanzieller Aufwand betrieben werden muss. Die Änderungen sind in der Regel extrem simpel und kosten quasi kein Geld. Ob es kleine witzige Erinnerungen zum Befolgen von Arbeitsschutzmaßnahmen sind, der Impuls für mehr Bewegung, die Architektur der Umgebung für bessere Essensentscheidungen oder besserer Umgang mit Stress. Für konkrete Beispiele empfehlen wir diese Zusammenstellung. Außerdem auch ganz wichtig zu wissen für alle Geschäftsführer: die Krankenkassen finanzieren BGM-Maßnahmen und unterstützen Sie damit bei der Umsetzung.

2. Minimierung von Arbeitszeitverlust

Viele Geschäftsführer scheuen sich davor, BGM-Angebote zu schaffen, die dann während der Arbeitszeit angeboten werden. Das ist verständlich, schließlich möchte man die gesamte Arbeitskraft einsetzen, um den bestmöglichen Service an den Kunden zu liefern. Das Besondere an Nudges ist jedoch: sie erfordern gar keine zusätzlichen Angebote wie zeitintensive Sport- oder Yoga-Kurse, sondern werden so konzipiert, dass sie in tägliche Routinen passen. Anstelle eines Sportkurses in der Woche steigt man eben eine Bushaltestelle früher aus. Anstelle eines halbtägigen Ernährungskurses (der langfristig eh nichts bringt), helfen kleine Impulse den Zuckerkonsum zu reduzieren und häufiger gesunde Produkte zu verzehren und anstelle der 90-minütigen Qi-Gong-Sitzung helfen kleine Erinnerungen im Alltag zu mehr Achtsamkeit und Stressreduktion.

3. Erreichen aller Zielgruppen

So gut wie alle Maßnahmen im Betrieblichen Gesundheitsmanagement stehen vor der Herausforderung, dass die Angebote ohnehin nur von denjenigen angenommen werden, die ohnehin schon gesundheitsbewusst sind. Die Mitarbeiter, die eigentlich viel mehr vom BGM profitieren würden, springen häufig gar nicht darauf an. Das Interesse, sich in einen mehrstündigen Gesundheitsvortrag zu setzen ist häufig nur bei sehr wenigen Mitarbeitern ausgeprägt. Dies bezeichnet man häufig als soziale Selektion. Genau dieser Effekt wird durch Nudges reduziert. Der Grund liegt darin, dass Nudges eher auf automatischen Reizen, Verhaltens- und Entscheidungsmustern aufsetzt. Diese wirken bei allen Menschen. Nudges sind also ein wunderbares Tool, um wirklich alle Mitarbeiter zu erreichen.

4. Besseres Verständnis Ihrer Mitarbeiter

Um die passenden Nudges für Ihr Unternehmen zu finden, müssen Sie Ihre Mitarbeiter besser verstehen. Sie müssen zum einen wissen, was die relevanten gesundheitlichen Herausforderungen sind (das wissen die meisten). Um effektive Maßnahmen zu entwerfen, müssen Sie aber vor allem wissen, WARUM diese Umstände bestehen und WARUM sich Ihre Mitarbeiter so verhalten, wie sich verhalten. Genau das ist immer unser erster Schritt, wenn wir Maßnahmen entwerfen: wir möchten verstehen, warum sich Menschen so verhalten wie sich verhalten. Häufig gibt es nämlich sehr simple und nachvollziehbare Gründe, warum Mitarbeiter nicht an BGM-Maßnahmen teilnehmen: keine Zeit, falsche Tageszeit, Angebot nicht passend etc… Gehen Sie mit der Methode des Nudgings vor, verstehen Sie gleich auch Ihre Mitarbeiter viel besser. Das hat nicht nur Vorteile für Gesundheitsangebote, sondern hilft Ihnen auch in täglichen Arbeiten und Prozessen.

5. Bessere Stimmung im Betrieb

Wenn Nudging eins möchte, dann ist es eine andere Wahrnehmung von Gesundheitsförderung und Gesundheitsmanagement. Häufig werden Präventionsmaßnahmen als ein Verzicht, grau, uncool und dröge wahrgenommen und auch dementsprechend kommuniziert. Beim Nudging geht es hingegen darum, gesundes Verhalten so einfach und attraktiv wie möglich zu machen. Dazu gehört Intuition, aber vor allem auch eine gehörige Portion Humor. Nudges kommunizieren BGM-Maßnahmen anders, wecken den Wettkampfcharakter und machen einfach Spaß. So ergibt sich ganz nebenbei und gerade auch durch die Integration in den Alltag eine viel bessere und gelockerte Stimmung im Arbeitsalltag.

Fazit

Nudges sollten in BGM-Maßnahmen aller Betriebe eingesetzt werden. Sie bieten jedoch insbesondere für kleine und mittelständische Betriebe (KMUs) ein enormes Potential, um passgenau deren Herausforderungen zu berücksichtigen. Damit werden ganz intuitiv angenehmere Arbeitsbedingungen geschaffen, die sich kurz-, mittel- und langfristig auf die Produktivität und damit den Erfolg des Unternehmens auswirken. Kontaktieren Sie uns gerne bei weiteren Fragen zum Thema Nudging und BGM!

läuft_Mathias Krisam

Autor: Dr. Mathias Krisam

Arzt und Geschäftsführer von läuft
Schreiben Sie dem Autor für Feedback oder weitere Fragen zum Thema: mathias.krisam@laeuft.eu

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