Nudging und Behavioural Insights

Nudging und Behavioural Insights
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Behavioural Insights - was ist das?

Neben „Nudging“ ist ein anderer neuer Begriff, der in diesem Kontext immer wieder auftaucht „Behavioural Insights“. Um das Verständnis zu erweitern, möchten wir heute erklären, was es damit eigentlich auf sich hat. Wie immer: meldet euch gerne bei weiteren Fragen oder Feedback zum Artikel beim Autor: mathias.krisam@laeuft.eu

Herkunft und Bedeutung

Behavioural Insights (kurz „BI“) ist ein Begriff, der erst nach den Begriffen von „Nudging“ und „Choice Architecture“ und „Liberal Paternalism“ entstand. Letztendlich umfasst „Behavioural Insights“ einen Themenkomplex rund um die Erkenntnisse und Anwendung der Verhaltens- und Kommunikationswissenschaften. Der Begriff wurde vor allem durch die Gründung des „Behavioural Insights Teams“ (kurz BIT oder umgangssprachlich „Nudge-Unit“) geprägt. Beim BIT handelt es sich um eine inzwischen internationale Beratung rund um das Thema „Behavioral Insights“, die initial durch den britischen Premier David Cameron ins Leben gerufen wurde, um die britische Regierung zu beraten. Leiter des BIT ist David Halpern

Was hat Nudging mit Behavioural Insights zu tun?

Letztendlich beschreibt Nudging Instrumente zur Verhaltensänderung, die auch in den Konzepten von Behavioural Insights enthalten sind, wie zum Beispiel Defaults („Standardoptionen“) oder der Einsatz sozialer Normen in der Kommunikation. Behavioural Insights umfasst jedoch noch wesentlich mehr Konzepte der Verhaltens- und Kommunikationswissenschaften, wie zum Beispiel signifikante ökonomische Anreize, die wiederum per definitionem kein Nudge wären. Letztendlich könnte man auch Boosting dazu zählen. Dabei handelt es sich um ein Konzept, welches von Grüne-Yanoff und Hertwig entwickelt wurde und beschreibt, wie man komplexe Informationen so einfach und verständlich darstellen kann, dass Menschen selbstbestimmt ihre Entscheidung treffen können.

Gibt es eine Übersicht über Instrumente der Behavioural Insights?

EAST-Framework_Behavioural Insights

Es gibt zweit sehr bekannte Modelle, die die verschiedenen Elemente der Behavioural Insights übersichtlich darstellen. Einmal das MINDSPACE-Modell und als Weiterentwicklung das EAST-Modell. Beide Modelle stehen für Akronyme, die Folgendes bedeuten:

Bei MINDSPACE beziehen sich die Abkürzungen auf die Elemente Messenger (Absender), Incentives (Anreize), Norms (Normen), Default (Standards), Salience (Salienz), Priming (Hervorhebung), Affect (Affekt), Commitment (Verbindlichkeit) und Ego (Ichbezug).
EAST steht für „Easy“ (=leicht), „Attractive“ (=attraktiv), „Social“ (=sozial) und „Timely“ (=zeitlich passend).

Gibt es ein deutschsprachiges Modell, welches sich spezifisch auf Gesundheit konzentriert?

Nein, es gibt weder ein anerkanntes BI-Modell in deutscher Sprache, noch wurde ein Modell explizit für Herausforderungen des Gesundheitswesens entwickelt. In der Publikation der Initiative für Gesundheit und Arbeit zu „Nudging im Unternehmen“ findet sich jedoch eine beispielhafte Erläuterung der Modelle im Kontext des Betrieblichen Gesundheitsmanagements. Hier liefern die beiden Modelle bereits hervorragende Unterstützung, um einen kreativen Prozess zu unterstützen. Nichtsdestotrotz haben wir in unserer praktischen Arbeit festgestellt, dass die beiden Modelle an manchen Punkten an ihre Grenzen stoßen, bzw. verhaltens- oder kommunikationswissenschaftliche Instrumente des Gesundheitswesens nicht berücksichtigen, weswegen wir aktuell ein eigenes Modell entwickeln, welches wir bald veröffentlichen werden.

Wo finde ich anschauliche Literatur zum Thema Nudging?

läuft_Mathias Krisam

Autor: Dr. Mathias Krisam

Arzt und Geschäftsführer
Schreib dem Autor für Feedback oder weitere Fragen zum Thema: mathias.krisam@laeuft.eu

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