Nudging in der Gesundheitsförderung

“Nudges sind jegliche Aspekte einer Entscheidungsarchitektur, welche das Verhalten von Personen vorhersagbar beeinflussen, ohne bestimmte Handlungsoptionen durch Vorschriften und Gesetze vorzuschreiben oder zu verbieten oder entscheidungsrelevante ökonomische Anreize zu setzen. Ein Nudge muss einfach und günstig vermeidbar sein. Vorschriften sind keine Nudges. Obst auf Augenhöhe zu  positionieren zählt als Nudge, Fast Food zu verbieten hingegen nicht.”

Richard Thaler & Cass Sunstein (2010): „Nudge: Wie man kluge Entscheidungen anstößt“

Einführung

Nudging ist ein noch relativ junges Konzept der Verhaltensökonomie, welches im Gesundheitswesen bisher noch nicht stringent angewandt wird, obwohl es ein vergleichbar großes Potential bei gleichzeitig geringem finanziellen Einsatz inne hat. Wir möchten Sie auf dieser Seite mehr in das Konzept des Nudgings einführen. Hierfür wählen wir eine allgemeine Einleitung und konzentrieren und später insbesondere auf das Setting „Betrieb“ bzw. „Betriebliche Gesundheitsförderung“. Die angegeben Beispiele können jedoch auch mit Leichtigkeit auf weitere Settings wie zum Beispiel „Kommune“, „Schule“ und „Universität“ übertragen und angepasst werden. Sie finden oben die Definition von Nudging laut der beiden Begründer der Theorie: Richard Thaler und Cass Sunstein. Ein einfaches und leicht verständliches Beispiel ist die Anwendung von Nudges in der Kantine zur Förderung einer gesünderen Ernährung.

Hintergrund und Prinzipien

Wie bereits oben angedeutet entspringt das Konzept des Nudgings den Fächern der Verhaltenspsychologie und Verhaltensökonomie. Die Grundlage von Nudges ist es, automatische Entscheidungen und Handlungen stärker auf gesundes Verhalten zu lenken, denn „nudge“ heißt übersetzt „anstupsen“. Hierbei beruft man sich insbesondere auf die Arbeiten des Wirtschaftsnobelpreisträgers Daniel Kahneman. Dieser unterscheidet ganz grob (und vereinfacht) zwischen zwei Denksystemen: System 1 und 2. System ist für eher unbewusste, alltägliche, automatische und habituelle Entscheidungen relevant und bestimmt einen Großteil unseres täglichen Verhaltens. System 2 ist hingegen das Denksystem, welches wir benötigen, um komplexe, neue oder statistische Aufgaben zu lösen. Es ist langsamer, bewusst und erfordert mehr kognitive Anstrengungen als System 1. Nudges setzen nun primär auf System 1, also automatischen Entscheidungs- und Verhaltensmustern auf. Ganz wichtig ist hierbei, dass das gesunde Verhalten lediglich einfacher gemacht wird („make the healthy choice the easy choice“, die Wahlfreiheit jedoch immer erhalten bleibt: daher auch der häufig verwendete Begriff „Libertärer Paternalismus“. Weiterhin ist vielen Nudging-Maßnahmen gemein, dass sie auf vergleichbaren Fallstudien und damit fundierter wissenschaftlicher Evidenz aufbauen und gleichzeitig kritisch und transparent evaluiert werden.

Herausforderunge des Betriebliches Gesundheitsmanagements (BGM) und Möglichkeiten durch Nudges

Viele Aktive im Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) wissen um das Problem, dass durch Maßnahmen im BGM häufig nur die erreicht werden, die ohnehin schon gesundheitsbewusst sind und nicht diejenigen Mitarbeiter*innen, die man eigentlich viel dringender erreichen müsste. Dieses Phänomen nennt man „Soziale Selektion“ und ist auch bekannt aus vielen weiteren Settings in Bezug auf präventive Maßnahmen. Häufig ist es daher gar nicht unbedingt die Frage des fehlenden Angebots (obwohl es das natürlich auch gibt) oder aber das fehlende Wissen über gesundes Verhalten, sondern vielmehr die Frage: Wie bewegen wir die Leute zu einem etwas gesünderen und für sie aktiveren Verhalten? Weiterhin fokussieren sich Maßnahmen im BGM häufig jedoch hauptsächlich auf den einen Gesundheitstag im Jahr. Ziel sollte es jedoch sein, gesundes Verhalten und die Verhaltensänderung dorthin über das gesamte Jahr aufrecht zu erhalten. Eine weitere Herausforderung ist das häufig geringe Budget, welches BGM-Maßnahmen zur Verfügung gestellt wird, was die Entscheider dazu anhält, mit kosteneffektiven Mitteln zu arbeiten. Alle diese Probleme können sehr gut durch die Anwendung von Nudges und intelligenter Gesundheitskommunikation angegangen werden!

Unsere Fokusthemen und wie wir uns von anderen Anbietern differenzieren

Nudges lassen sich letztendlich auf alle möglichen Verhaltensweisen anwenden. Denn Verhalten spielt immer und überall eine entscheidende Rolle. Auch wenn es weitere gute Anwendungsbeispiele aus der Ergonomie oder auch Suchtverhalten gibt, haben wir uns auf vier verschiedene Fokusthemen spezialisiert: Bewegung, Ernährung, Entspannung und Gesundheitskommunikation. Und auch hier nochmal der Hinweis: wir sind nicht diejenigen, die noch einen weiteren Kurs oder Schulung anbieten, sondern wir sorgen für intuitive alltagstaugliche langfristige Lösungen bzw. finden den Kommunikationsstil, dass Sie mit Ihren bestehenden Angeboten alle Ihre Mitarbeiter*innen auch wirklich erreichen.

Bewegung

Unser Kernprdoukt ist der Treppen-Nudge #treppegehtimmer, der ein hervorragender Einstieg ist, um Ihre Mitarbeiter*innen mit Nudging vertraut zu machen. Weiterhin können Sie Challenges und öffentliche Commitments nutzen. Auch die passende Ansprache, intelligente Raumnutzung oder die Einladung zu Bewegungsangeboten unmittelbar um Ihren Betrieb können einfache, aber effektive Maßnahmen sein. So können Sie häufig frequentierte Räume wie Meetingraum, Toilette, Postfächer, Kaffeeautomat etc. auf verschiedenen Etagen platzieren. Für Mitarbeiter*innen und Gäste bieten sich die Darstellung von netten Spazierrouten um den Betrieb an bzw. die Angabe der Distanz von umliegenden Haltestellen und die dazugehörige Schrittzahl.

Ernährung

Auch beim Thema Ernährung haben Sie großen Handlungsspielraum, wie Sie aktiv werden können, um die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter*innen zu fördern. Das Parade-Setting ist sicherlich die Kantine. Hier gibt es schier unerschöpfliche Möglichkeiten, um durch Änderung der Positionierung, der Präsentation und der Anzeige den Konsum gesunder Nahrungsmittel zu fördern. Doch auch direkt am Arbeitsplatz können Sie aktiv werden, um an Stelle von Süßigkeitenkonsum, den Konsum von Obst zu fördern oder auch mehr Wasser anstatt von Soft Drinks zu verzehren. Doch auch über den Betrieb hinaus sollten Sie Ihren Mitarbeiter*innen kleine Tipps an die Hand geben. Zum Beispiel, um im Supermarkt gesündere Kaufentscheidungen zu treffen oder auch zu Hause gesünder zu essen.

Entspannung

Zum Thema Achtsamkeit und Entspannung gibt es mehrere zentrale Themen: Durch kleine Erinnerungen (Reminder) am Arbeitsplatz können kurze Achtsamkeits- und Entspannungsübungen im Alltag angeleitet und getriggert werden. Weiterhin spielt auch hier die Ansprache der Mitarbeiter*innen eine Rolle, um sie zu bestehenden Entspannungs-Angeboten zu bewegen. Und dies sowohl im analogen wie auch im digitalen Bereich. Eine Maßnahme, die schon in Richtung Führung und Personalmanagement geht, ist die Einführung intuitiver und klar verständlicher KPI (=Key Performance Indicators), die Rückschlüsse über die Belastung im beruflichen und privaten Umfeld zulässt. 

Kommunikation

Wie bereits zuvor angedeutet ist Kommunikation einer der zentralen Bestandteile von effektivem und erfolgreichem Gesundheitsmanagement. Daher führen wir an dieser Stelle dieses Thema noch einmal fokussiert auf, auch wenn wir bereits bei den Themen Bewegung, Ernährung und Entspannung darauf hingewiesen haben. Ein Framework, welches sich gut zur Orientierung in dem Entwickeln von Nudging-Maßnahmen eignet, ist das MINDSPACE-Modell. Dabei handelt es sich um ein Akronym, welches verschiedene Nudging-Konzepte umfasst. Wir haben dieses Framework für unsere Projektarbeit noch um zwei Kategorien erweitert: Handlung vereinfachen und den überlegten Einsatz von Reminder (Erinnerungen), um die Maßnahmen möglichst effektiv zu kommunizieren.

Beispielhaftes Projektvorgehen

Wie können Sie nun Nudging-Maßnahmen in Ihrem Betrieb einführen und ein ganzheitliches Gesundheitskonzept für Ihre Mitarbeiter*innen aufbauen?
Wir empfehlen den Einstieg über den Gesundheitstag. Hier bietet sich vor allem die Sprüche um #treppegehtimmer an, da sie laut unserer Erfahrung von allen Beteiligten äußerst positiv aufgenommen werden. Zusätzlich können wir an einem Stand zum Gesundheitstag Ihre Mitarbeiter*innen über Nudging aufklären und bereits erste Tipps geben, wie man die Gesundheit im Alltag durch Nudges verbessern kann. Dies ist zusätzlich im Rahmen eines Vortrags möglich. Darauf aufbauend können nun verschiedene weitere Maßnahmen getroffen werden wie ein Gesundheits-Assessment, Workshops, die komplette Konzeptionierung und Umsetzung und im Idealfall auch die Evaluation.

Wollen auch Sie Nudges in Ihrem BGM verwenden?

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Rufen Sie uns an 

030 – 5304 9472

Schreiben Sie uns

info@laeuft.eu

Vertieftes Material

Klicken Sie auf die unten stehenden Bilder, um mehr Informationen zu unserem Treppen-Nudge #treppegehtimmer, sowie die kompletten Präsentationen zu den Themen Nudging im Betrieblichen Gesundheitsmanagement bzw. im Setting „Kommune“ zu erhalten.

Treppen-Nudge # treppegehtimmer

Komplette Präsentation: Nudging im BGM

Präsentation_Nudging-BGM
Klicken Sie auf das Bild, um die komplette Präsentation von "Nudging im BGM" zu downloaden

Nudging und Gesundheits-förderung im Setting Kommune

räsentation_Nudging in der Kommune
Klicken Sie auf das Bild, um die komplette Präsentation von "Nudging in der Kommune" zu downloaden

Weiterfühende Literatur

Sie möchten noch mehr über das Thema erfahren? Wir möchten Ihnen an dieser Stelle ein paar Literaturempfehlungen mit auf den Weg geben.

1. Thaler & Sunstein: Nudge – Wie man kluge Entscheidungen anstößt (das Referenzwerk und Bestseller)
2. Behavioural Insights Team (UK): Übersicht aller Publikationen zum Thema Gesundheit
3. Initiative für Gesundheit und Arbeit (iga): Nudging im Unternehmen (Broschüre, die sich insbesondere mit dem Thema Nudging und BGM auseinander setzt)
4. Krisam et al.: Nudging in der Primärprävention – eine Übersicht und Perspektiven für Deutschland (deutscher Einführungsartikel)

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